Alpenüberquerung auf dem E10 – Vom Königssee zum Millstätter See

E10, Rupertiweg, Teilstück vom Königssee zum Millstättersee

Alpenüberquerung auf dem Fernwanderweg E10 (Rupertiweg), vom Königssee zum Millstätter See (8-9 Tage mit An- und Heimreise, ca. 120 Km und 7500 Höhenmeter zu Fuß).

Auf der Suche nach einem würdigen Nachfolger der Tour „Oberstdorf-Meran“ sind wir auf den vergleichsweise wenig bekannten Rupertiweg (E10) gestoßen. Dieser beginnt am Bärenstein an der tschechischen Grenze bei Aigen-Schlägl, führt durch Oberösterreich, Salzburg (mit einem kurzen Abstecher nach Bayern im Bereich des Berchtesgadener Landes) und Kärnten zum Naßfeld in den Karnischen Alpen, an der Grenze zu Italien.
Unsere Tour ist ein leicht abgeändertes Teilstück des Rupertiweges.

Karte (jpg)
GPS-Tracks mit Tagesetappen (gpx)

Literatur: Wanderführer: „Rupertiweg – Vom Böhmerwald zu den Karnischen Alpen“, erschienen im Eigenverlag der OeAV-Sektion Weitwanderer


Anreise

Die Anreise zum Königsee erfolgte am Mittwoch, 6. Juli 2016, unsere fertig gepackten Rucksäcke waren diesmal 7,5 bzw. 8,5 kg schwer (ohne Getränke). Wir fuhren zunächst mit der Bahn von Passau nach Salzburg, von da mit dem Bus nach Berchtesgaden und weiter nach Schönau am Königssee. In einem gebuchten Hotel in Schönau wurde dann übernachtet.

Anreise mit der Bahn Unser Hotel in Schönau am Königsee


Tag 1 – Zum Funtensee

Gleich nach dem Frühstück wanderten wir zum 1km entfernten Königssee und fuhren dann mit einem der ersten Schiffe nach St. Bartholomä (603m). Hier begann der 5 Std. lange Aufstieg zum Kärlingerhaus (1638m) über die sog. Saugasse. In der schluchtartigen Steilrinne der Saugasse führt der Weg in 32 Serpentinen hinauf zum Hochtal der verfallenen Oberlahneralm (1420m) und weiter über das Ofenloch und den Funtenseesattel zum Kärlingerhaus. Am Kärlingerhaus, das mit über 100 Übernachtungsgästen voll belegt war genossen wir die sonnigen Nachmittagsstunden mit schönem Blick auf den Funtensee und die umliegenden Berge. Am Abend war noch Public Viewing des EM-Spieles Frankreich-Deutschland auf der Terrasse des Berghauses.
( 10Km, auf 1100Hm, ab 150Hm)

St. Bartholomä am Königssee Am Königssee Saugasse zum Funtensee/Kärlingerhaus Saugasse zum Funtensee/Kärlingerhaus Kärlingerhaus Kärlingerhaus Kärlingerhaus - Blick zum Funtensee Kärlingerhaus - Public Viewing (EM Fra-Deu)


Tag 2 – Übers Steinerne Meer

Am nächsten Tag starteten wir um 6:45 Uhr, zuerst durch ein morgendliches Nebelmeer am Funtensee, danach übers sog. Baumgartl bergauf zum Steinernen Meer. Wir durchwanderten dieses beeindruckende Karsthochplateau und erreichten um 10:00 Uhr das Riemannhaus (2177m), das zwischen den Berggipfeln Breithorn und Sommerstein liegt. Nach einer kleinen Rast am Riemannhaus ging es zunächst sehr steil, in zahlreichen tlw. seilgesicherten Kehren hinab zur Talstation der Materialseilbahn und ab da auf einer langen Schotter- und später Asphaltstraße nach Maria Alm (802m). Nach einer Wanderpause beim Berggasthof Kronreith kamen wir um 15:00 Uhr zu unserer Unterkunft in Maria Alm/Unterberg.
(16Km, auf 600Hm, ab 1400Hm)

Aufbruch vom Kärlingerhaus - Funtensee im Nebel Steinernes Meer mit der Schönfeldspitze E10 Schild Steinernes Meer Riemannhaus Abstieg vom Riemannhaus Felsensteig beim Abstieg vom Riemannhaus (Wanderer in der Bildmitte) Maria Alm


Tag 3 – Über die Dientener Berge

Um 8:30 Uhr wanderten wir zunächst steil den lifterschlossenen Ahberg hinauf, dann führte der Wanderweg einen bewaldeten Bergrücken hoch und weiter auf Almwegen und Almwiesen zum Statzerhaus am Gipfel des Hundsteins (2117m). Hier hat man bei gutem Wetter eine schöne Rundsicht über die Alpen, leider war es an diesem Tag hier oben neblig, windig und es nieselte zeitweise. Nach einer Rast in der gemütlichen Gaststube des Statzerhauses folgte nun ein 14km langer Abstieg nach Taxenbach (776m), der Steig führte über Almwiesen hinab zur Taxenbacher Höhe und ab hier in langgezogenen, „endlosen“ Kehren hinunter nach Taxenbach, unserem Tagesziel – Ankunft 17:00 Uhr.
Am Dorfplatz neben unserer Unterkunft fand an diesem Samstag zufällig ein gemütlicher „Dämmerschoppen“ mit heimischen Blaskapellen statt. Um 1:00 Uhr nachts wurde zum Abschluss der Tiroler Marsch geblasen, danach wurden die Bierbänke zusammengeklappt.
(23Km, auf 1350Hm, ab 1250Hm)

Auf dem Weg zum Hundstein/Statzerhaus Statzerhaus am Hundstein (2117m) Hundstein Gipfelkreuz Abstieg nach Taxenbach Abstieg nach Taxenbach Almen beim Abstieg nach Taxenbach Abstieg nach Taxenbach In Taxenbach


Tag 4 Über die Tauern nach Kärnten

Nach einer schlafarmen Nacht fuhren wir am Sonntag um 8:40 Uhr mit dem ersten Postbus der Linie 640 (Fahrplan – Suchwort: 640 ) von Taxenbach durchs Raurisertal nach Kolm-Saigurn am Fuße der Goldberggruppe in den Hohen Tauern (eine Durchwanderung des Raurisertales auf dem Rupertiweg erfordert 2 zusätzliche Tage). Um 10:00 Uhr kamen wir mit dem Bus am Naturfreundehaus in Kolm-Saigurn an und wanderten auf dem Arnoweg etwa 850Hm hinauf zum Niedersachsenhaus (2472m). Um 12:30 Uhr waren wir oben und machten eine kleine Mittagspause auf der Panoramaterrasse des Berghauses, danach ging es den Hermann-Bahlsen-Weg hinab nach Sportgastein (Nassfeld-Tal, 1589m) mit seinen zahlreichen bewirtschafteten Almen. Am Ende des Nassfeld-Tales folgte noch einmal ein anstrengender Aufstieg übers Eselkar zur Hagener Hütte (2448m) am Tauernhauptkamm. Um 18:30 Uhr erreichten wir die angenehme, neu renovierte Berghütte auf der in dieser Nacht nur 5 weitere Bergwanderer übernachteten. Wir sind jetzt in Kärnten.
(15Km, auf 2x 850Hm, ab 900Hm)

Aufstieg von Kolm-Saigurn zum Niedersachsenhaus Aufstieg zum Niedersachsenhaus Niedersachsenhaus Am Niedersachsenhaus - Blick zum Ausgangspunkt in Kolm-Saigurn Nassfeld Tal (Sportgastein) Aufstieg zur Hagener Hütte (Bildmitte) Die letzten Meter zur Hagener Hütte Hagener Hütte


Tag 5 – Zur Reißeckgruppe

Bei schönstem Bergwetter und wunderbarer Rundsicht wanderten wir um 7:30 Uhr los, vorbei am Tauernkreuz und ab der Jamnigalm immer dem Tauernbach entlang, stiegen wir 1200Hm nach Mallnitz in Kärnten hinab. Um 11:30 Uhr waren wir in Mallnitz und machten hier eine Mittagspause, anschließend folgte der lange Aufstieg durchs Dösnertal, auf dem Blockgletscherweg zum Arthur v. Schmid Haus (2281m) am Dösner See. Die 5km lange Strecke von Mallnitz zum oberen Dösenparkplatz könnte man auch mit einem Wandertaxi zurücklegen. Über mehrere Steilstufen, vorbei an der Dösner Alm, der Konradlacke und der Dösner Hütte erreichten wir um 16:45 Uhr das Arthur v. Schmid Haus. In der urigen, gemütlichen Berghütte übernachteten wir nahezu alleine mit nur 2 weiteren Bergwanderern.
(24Km, auf 1200Hm, ab 1300Hm)

Tag 6 - Hagener Hütte, Abstieg nach Mallnitz Tauernkreuz - Am Abstieg von der Hagener Hütte nach Mallnitz Abstieg nach Mallnitz Aufstieg zum Arthur v. Schmid Haus am Dösner See Aufstieg zum Arthur v. Schmid Haus am Dösner See Aufstieg zum Arthur v. Schmid Haus am Dösner See Arthur v. Schmid Haus am Dösner See Stube im Arthur v. Schmid Haus


Tag 6 – Abbruch, Heimreise, Fazit

Dienstag, 12.07.2016 – Wegen einer Wetterverschlechterung mit Unwetterwarnung und sinkender Schneefallgrenze auf 1800m wurde uns von der nächsten Etappe über den Reißeck-Höhenweg (max. Höhe 2780m, 16Km, 9 Std.) abgeraten. Wir stiegen daher nach dem Frühstück wieder nach Mallnitz ab, das wir gerade noch trocken erreichten bevor starke Gewitter einsetzten. Vom Bahnhof Mallnitz reisten wir mit der Bahn über Salzburg und Passau wieder nach Hause.

Bahnhof Mallnitz in Kärnten, Rückreise Unwetterberichte zum 12. und 13. Juli 2016

Dem schlechten Wetter zum Opfer fielen leider die beiden letzten geplanten Tagestouren – Vom Arthur v. Schmid Haus weiter über den Reißeck-Höhenweg zur Reißeckhütte (2287m) und am folgenden Tag der Abstieg zum Millstätter See (23km, 8Std.).

Die Reißeckhütte ist im Sommer 2017 noch geöffnet, über eine Schließung wird wegen der Sperre der Höhenbahn und des Reißeckschrägaufzuges diskutiert (Zeitungsartikel), bitte informieren! 

Es war bei bestem Bergwetter eine sehr schöne, tlw. auch anstrengende Wanderwoche in den Berchtesgadener, Salzburger und Kärntner Alpen mit netten Kontakten zu Einheimischen und Bergwanderern.
Die Schlafplätze auf den Berghütten haben wir diesmal alle reserviert, das immer überfüllte Kärlingerhaus bereits im Januar! Die Unterkünfte in den Tälern wurden etwa eine Woche vorher über das Buchungsportal „Booking.com“ gebucht, es hat hier alles wunderbar geklappt. Aktuelle Fahrpläne für evtl. Verbindungsbusse sind im Internet zu finden und bei Bedarf könnte man einige Wegabschnitte auch mit örtlichen Wandertaxis überbrücken.

Karte (jpg)
GPS-Tracks mit Tagesetappen (gpx)

s.a. Alpenüberquerung auf dem E5 – Von Oberstdorf nach Meran