Das böhmische Rachelhaus und das Bärnsteindl

Rachelschwelle, RachelhütteRachelschwelle (Roklanská nádrž), Rachelhaus bzw. Rachelhütte (Roklanská chata) und das Bärnsteindl (Medvědí hora) im Nationalpark Sumava – Betreten verboten (Vstup zakázán)!

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde nordöstlich des Großen Rachels, auf der böhmischen Seite, die Rachelschwelle zum Zwecke der Holztrift errichtet. Der Rachelbach wurde hier mit einem 45m langen Erddamm zu einem 4m tiefen See aufgestaut. Neben der Rachelschwelle wurde 1804 das Rachelhaus von den Fürsten zu Schwarzenberg erbaut, es war das höchstgelegenste Gebäude im Böhmerwald (1180m).
Die Rachelhaus (Roklanská hájenka, Hegerhaus) wurde zunächst vom Teichwächter bewohnt, im Jahre 1869 zog der Revierförster Josef Trampus und seine Familie in das Forsthaus ein.

Um die Jahrhundertwende gab es einen großen Aufschwung im Tourismus. Die Einschicht Rachelhaus war auch Hauptausgangspunkt für den Aufstieg von böhmischer Seite auf den Großen Rachel. Im Jahr 1936 wurde zur Entlastung des mit Touristen mehr und mehr überfüllten Forsthauses eine Touristenhütte erbaut, die Herberge Roklanská chata (Rachelhütte).

Auch Franz Kafka besuchte zur damaligen Zeit das bôhmische Rachelhaus, er schrieb dazu: "Es gab hier 4 Betten zum Übernachten, was denjenigen zu empfehlen ist, die vom Rachel den Sonnenaufgang sehen möchten. Es ist notwendig, um zwei Uhr mit einem Führer aufzubrechen, ohne Führer zu gehen ist nicht ratsam."

Nach dem 2. Weltkrieg, im Kalten Krieg, gehörte die Gegend um das Rachelhaus zum Sperrgebiet, es wurden hier Grenzsoldaten stationiert, dafür hat man zusätzliche Unterkunftsbaracken und ein hölzernes Unterkunftshaus, das sog. „Finnische Haus“ errichtet. Das alte Rachelhaus (Roklanská hájenka) wurde aufgegeben und abgerissen. Nachdem einer der Grenzsoldaten in der Rachelschwelle ertrunken ist, wurde der Staudamm gesprengt.

Heute existieren noch das ehem. Touristenhaus Roklanská chata (Rachelhütte), dieses ist jedoch in einem schlechten Zustand und der gesprengte, ehemalige Staudamm der Rachelschwelle. Auch die Grundmauern der Unterkunftsbaracken für die damals tschechoslowakischen Grenzsoldaten sind noch zu erkennen.

Kurzes Video (Stationierte CSSR-Grenzsoldaten am böhmischen Rachelhaus – Winter 1956)

Der böhmische Förster Palecek: Im Rachelhaus lebte auch kurzzeitig der von Wilderern gefürchtete Heger Walter Palecek. 
Am 30. September 1933 wurde bei einer Schießerei mit bayerischen Wilddieben einer der Wilderer tödlich getroffen. Aus Furcht vor Rache verließ Palecek einige Zeit später mit seiner Familie das Rachelhaus, bzw. den Böhmerwald und zog in die Gegend um Trebon. Die Sehnsucht ließ ihn 1937 wieder ins benachbarte Pürstlinger Forsthaus zurückkehren.
Im Bereich des Plattenhausenriegels traf er am 24. November 1937 alleine auf sechs bayerische Wilderer, die damals berüchtigte Kellermann-Bande, diese erkannten und stellten den ihnen verhassten Förster. Palecek warf seinen Jagddrilling zur Seite und versuchte mit erhobenen Händen davonzulaufen, einer der Wilderer schoß darauf dem unbewaffneten Förster mit der Schrotflinte in den Rücken. Mit 25 Schrotkörnern in der Lunge schleppte sich Palecek noch vier Kilometer in Richtung Pürstling weiter, wobei er mehrmals die Besinnung verlor. Glücklicherweise fand ein Holzarbeiter den schwerverletzten Förster noch vor Einbruch der Nacht in der Nähe von Pürstling und rettete diesem damit das Leben. 
Walter Palecek lebte mit den 25 Schrotkörnern in der Lunge noch 30 Jahre weiter, er verstarb 1967. Die sechs beteiligten Wilderer wurden im Juli 1938 zu tls. mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt.
Weitere Berichte und Erzählungen über frühere Wilderer aus dem Bayerischen Wald im Beitrag: Wilderer und Jäger im Bayerwald

Das Bärensteindl (Medvědí hora), auch Bärnsteindl genannt, ist ein Felsen auf einem 1227m hohen, flacheren Bergkamm, etwa 1km nördlich der Rachelschwelle. Westlich dieses Bergkamms grenzt der Judenwald an, nördlich davon befinden sich zwei Hochmoore, die Gayruckfilze und die großen Weitfällerfilze. Auf dem Bärnsteindl ist eine kleine Tafel zum Gedenken an einen verstorbenen CSSR-Grenzsoldaten und ein Gipfelkreuz angebracht.
Von der Rachelschwelle führt eine gerade Schneise zum etwa 1km nördlich gelegenen Bärnsteindl.


Um die Rachelschwelle von der deutschen Grenzseite zu erreichen hat man folgende Möglichkeiten:

Vom 25ger Grenzstein aus, hier folgt man einem alten, ausgetretenen Pfad nach Nordosten bis zur Rachelschwelle – Zustiege zum Grenzstein 25 entweder vom Großen Rachel oder von der Racheldiensthütte über das Zirkelfilz.
Von der Trinkwassertalsperre bei Frauenau zum „Verlorenen Schachten“ und hier weglos mit GPS über den Judenwald zur Rachelschwelle.

Hinweis: Ein kurzes Teilstück des alten Steiges vom Grenzstein 25 zur böhmischen Rachelschwelle führt lt. Karte durch die Sumava-Schutzzone 1 (NP Sumava: Das Betreten der Zone I. außer der markierten Wege ist verboten).

Alte Karte
GPS-Karte (Start RadiHü)
GPS-Tracks (gpx)