Plattenhausenriegel und Spitzberg – Verbotenes Land

PlatenhausenriegelRundwanderung über Plattenhausenriegel und Spitzberg, auf dem einsamen, unmarkierten Grenzsteig zwischen Lusen und Großer Rachel im Nationalpark Bayerischer Wald – 16km.

Von der Fredenbrücke über Marinsklause, Teufelsloch, die „Blauen Säulen“, Kleiner Spitzberg (1233m), Großer Spitzberg (1352m), Plattenhausenriegel (1376m) und Zirkelfilz zur Racheldiensthütte.
Nicht markierte Wege, die sogenannten „sonstigen Wege und Steige“ im Kerngebiet dürfen lt. Nationalparkverordnung nur in der Zeit vom 15.07. bis 15.11. eines jeden Jahres begangen werden.

plattenhausenAusgangspunkt ist der Parkplatz Fredenbrücke (Parkplatz und Nationalparkbus-Haltestelle), an der Straße nach Waldhäuser.
Wir folgen dem beschilderten Wanderweg Richtung Lusen bis zur Martinsklause, ein Schwellteich für die frühere Holztrift, dann weiter zum Teufelsloch, ein mit Felstrümmern gefüllter unterirdischer Bachlauf. Vom Teufelsloch wandern wir jetzt ca. 800m bergauf zur Glasarche an der Abzweigung zum Lusen. An der Glasarche links in den „Böhmweg“ in Richtung Grenze zu Tschechien abzweigen. Wir sind jetzt im Kerngebiet, die Wege sind ab hier nicht mehr markiert. Nach einem Kilometer erreichen wir den historischen Grenzübergang „Blaue Säulen“. An der Grenze halten wir uns links und folgen nun immer dem Grenzsteig ca. 6km in westlicher Richtung bis zum Grenzstein 26 am Zirkelfilz.

Zur Orientierung - die Position der wichtigen Grenzsteine: 30=Blaue Säulen, 29=Kleiner Spitzberg (historischer Wappenstein), 28/8=Abzweigung nach Pürstling (Březník), 28=Großer Spitzberg, 27=Plattenhausenriegel, 26/10=Absturzstelle/Marterl, 26=Zirkelfilz/Abzweigung Racheldiensthütte, 25=Abzweigung Rachel

Der Grenzsteig führt zunächst durchs Stangenfilz, weiter zum Kleinen Spitzberg (1233m) und zum Großen Spitzberg (1352m). Am Grenzstein 28/8 zweigt rechts ein Pfad in Ri. Tschechien nach Pürstling (Březník) ab, wir gehen hier geradeaus auf dem Grenzsteig weiter. Die höchste Erhebung des Großen Spitzberges liegt ca. 100m südlich des Grenzsteins 28, diese erreicht man weglos, tlw. kann man hier auch einen ausgetretener Pfad erkennen. In der Senke zwischen Gr. Spitzberg und Plattenhausenriegel liegt das Hochmoor Großer Filz, in diesen Bereich wird auch der Weg feucht und morastig. Anschließend wandern wir über den langgestreckten Bergrücken des Plattenhausenriegels.

Der Plattenhausenriegel (Blatný vrch) ist ein bayerisch/böhmischer Grenzberg mit zwei flachen Gipfelkuppen, eine liegt in Tschechien (1368m, Vermessungsstein) und die höhere davon auf bayerischer Seite (1376m, Gipfelfelsen). 
In den meisten Karten ist der Plattenhausenriegel an seiner höchsten Erhebung, dem Gipfelfelsen 1376m hoch und damit um 3m höher als der Lusengipfel. Die aktuelle Topographische Karte Bayern gibt jetzt sonderbarerweise die Höhe an einer veränderten Position mit 1371,7m an, das ist jedoch nur die Höhe des Bergrückens ohne Gipfelfelsen. Es sieht danach aus, als sollte der Plattenhausenriegel im zentralen NP-Kerngebiet durch dieses "Softwareupdate" kleiner als der 1373m hohe Lusen gemacht werden. Der höchste Punkt am Plattenhausenriegel ist jedoch immer noch der 1376m hohe Gipfelfelsen!

Am Grenzstein 27/3 kann man links in Richtung Süden zu der größten Felsgruppe des Plattenhausenriegels abzweigen, ein ausgetretener Pfad dorthin ist erkennbar. Man könnte aber auch weglos, etwa 100m auf die sichtbaren Felsen zugehen. Nach diesem Abstecher geht es nun bergab, zunächst zum Bärenlochriegel (1304m), hier vorbei am Pilotenmarterl beim Grenzstein 26/10, bis zum Zirkelfilz am Grenzstein 26.

Am 20. Juni 1963 stürzten auf deutschem Gebiet zwischen Plattenhausenriegel und Bärenlochriegel, nähe Grenzstein 26/10, zwei tschechoslowakische MIG-Düsenjäger ab, die beiden Piloten berührten bereits auf dem Gebiet der CSSR die Baumwipfel. Sie zerschellten bei einem Übungsflug am wolkenverhangenen Bergrücken des Plattenhausenriegels und schlugen eine 300m lange und 25m breite Schneise in den damaligen Bergwald. Die Schneise ist noch zu erkennen, es ist heute ein intakter Fichtenbestand im sonst abgestorbenen Bergwald (Luftbild). Im Herbst 2014 wurde am Grenzstein 26/10 ein Marterl zum Gedenken an die beiden abgestürzten Piloten aufgestellt.
Alte Zeitungsberichte zum damaligen Flugzeugabsturz: Login
● Die toten Piloten vom Grenzstein 26/10 
● Flugzeugabsturz und Kalter Krieg
● Zwei tschechische Düsenjäger abgestürzt 
● Die toten CSSR-Piloten am Grenzstein 26/10 übergeben
● Als Düsenjäger in den Hochwald stürzten 
● Gefährlicher Ausflug zum Absturzort

Am Zirkelfilz verlassen wir den Grenzsteig, hier befindet sich neben dem neuen Grenzstein 26 auch noch ein historischer Grenzstein. Genau an diesem alten Grenzstein zweigt links, ein unmarkierter, manchmal im hohen Gras etwas schwer erkennbarer Pfad ab. Dieser verläuft zunächst relativ eben nach SSW und nach einem kleinen Abhang weiter am Fuße der Steinschachtenhänge entlang. Nach etwa 500m erreichen wir einen von weiten sichtbaren Buchenbestand (Mühlbuchet). Von hier aus folgt man wieder einem alten, breiteren Weg bzw. Steig ca. 1km bergab durch Wald, solange bis man einen beschilderten Wanderweg, den Horizontalsteig kreuzt. Am Horizontalsteig zunächst rechts abbiegen und dann links bergab über den markierten Wanderweg zur Racheldiensthütte (Nationalparkbus-Haltestelle). Rückweg zum Parkplatz Fredenbrücke über den ausgeschilderten Wanderweg.


plattenhausen
Variante – Vom Lusen über den Grenzkamm zum Rachel, zurück mit dem Nationalparkbus – 15km

Ausgangspunkt ist hier der Parkplatz Waldhausreibe am Lusen, dieser ist während der NP-Bussaison (15.5. – 31.10.) bis 9 Uhr und nach 16 Uhr mit PKW, ansonsten mit NP-Bus erreichbar. Außerhalb der NP-Bussaison ist die Straße gesperrt, die „Waldhausreibe“ ist dann nur zu Fuß vom unteren Parkplatz „Waldhäuser-Ausblick“ zu erreichen (ca. 1,5km).

Vom Parkplatz Waldhausreibe auf dem Sommerweg etwa 1km bis zur Glasarche/Abzweigung Lusen wandern, hier geradeaus weiter auf dem Böhmweg zur Grenze/Blaue Säulen und dem Grenzsteig wie oben beschrieben folgen.
Am Zirkelfilz, bei Grenzstein 26 nicht abzweigen, sondern dem Grenzverlauf etwa 1,5km weiter bis zum Grenzstein 25 folgen. Etwa 10m nach Grenzstein 25 zweigt links ein Pfad ab, hier verlassen wir den Grenzsteig und wandern auf diesem unmarkierten Pfad in Richtung Großer Rachel. Dieser Steig folgt der Landkreisgrenze FRG/Regen.

Nach einem Kilometer erreicht man den offiziellen Hauptwanderweg „Rachelsee-Rachelkapelle-Rachel“, hier hat man zwei Möglichkeiten:
  Man wandert bergauf über den Großen Rachel (1453m) zum Waldschmidthaus und weiter bis zum Gfällparkplatz (ca. 4,5km, Nationalparkbus-Haltestelle)
  Bergab führt der Wanderweg über die Rachelkapelle und den Rachelsee zur Racheldiensthütte (ca. 4,7km, Nationalparkbus-Haltestelle)

Mit dem Nationalparkbus (Rachelbus 7595 bzw. Lusenbus 7594) erreicht man wieder den jeweiligen Ausgangspunkt.

Tourenkarte 16km
Tourenkarte 15km, Variante
GPS-Track (gpx)
Fahrpläne Nationalparkbus