Großer Rachel, Rachelsee – Die alten Steige der Seewand *

Großer Rachel und RachelseeGroßer Rachel und Rachelsee – Nationalpark Bayerischer Wald.

Der Rachelsee - Stahlstich von Bernhard Grueber aus dem Buch "Der Bayrische Wald" von 1846Der Große Rachel ist mit 1453m Höhe der zweithöchste Berg des Bayerischen Waldes, nur der Große Arber ist um 3m höher. Auf dem felsigen Rachelgipfel mit seinem stattlichen Holzkreuz beeindruckt die Rundsicht über Bayerwald und Böhmerwald – Im Norden das Hochland der Schachten, im Nordosten die weiten Latschenfelder der böhmischen Moore und Filze, im Südosten der mächtige Grenzkamm, der sich bis zum Lusen zieht und schließlich im Süden die ferne Alpenkette.

Bekannt und beliebt sind auch die Rachelkapelle, die als Kleinod des Bayerischen Waldes gilt, der dunkle, sagenumwobene Rachelsee und die darüber aufsteigende Seewand, die das wildeste ist was der Bayerische Wald aufzuweisen hat. Eine Einkehrmöglichkeit bietet das unterhalb des Rachelgipfels gelegene Waldschmidthaus, das in den Sommermonaten bewirtschaftet wird.

Einige der früheren, alten Wandersteige, welche zu den schönsten und einsamsten im Rachelgebiet zählten, sind heute verboten bzw. aufgelassen. Die heutigen, offiziellen NP-Wanderwege zum Großen Rachel bleiben aber dennoch interessant, man ist weitgehend abseits vom Trubel, da diese Steige vielen Kurzbesuchern des Nationalparks zu zeitraubend oder zu anstrengend sind. Man sollte sich hierzu aber auch die richtige Zeit und die richtigen Wege aussuchen!

Die bekanntesten Zustiege zum Großen Rachel – Onlinekarte
● Von Spiegelau bzw. Gfällparkplatz über´s Waldschmidthaus zum Großen Rachel
● Von Oberfrauenau über Kleiner Rachel und die Rachelwiese zum Großen Rachel
● Vom Parkplatz Racheldiensthütte über Rachelsee und Rachelkapelle zum Gipfel (E6)
● Vom Falkenstein über die Schachten und den Rachelnordsteig zum Großen Rachel (E6)

Am Großen Rachel - Gipfelkreuz Rachelkapelle, Rachelsee Rachelblick - Rachelsee, Grenzkamm, Böhmen


Die drei eiszeitlichen Gletscherkare am Großen Rachel

Am Großen Rachel bildeten sich in der Eiszeit drei Gletscher, übriggeblieben und zu sehen sind heute noch die Moränen dieser Gletscher und die jeweiligen Gletscherkare und Karbecken, von denen bis auf den Rachelsee alle vermoort sind – Übersichtskarte, Lage der Rachelkare.

Die bekannteste Karbildung ist das Rachelseekar (Rachelsee) mit seiner 400m hohen, gegen den Gipfel 25 Grad, an einzelnen Stellen bis zu 45 Grad geneigten Seewand. Der Rachelsee ist 330m lang und 200m breit, unter dem Wasserspiegel liegen zwei Becken welche durch einen felsigen Karriegel getrennt werden – das hintere, nördliche Karbecken mit 3m und das vordere, südliche Endmoränenbecken mit 13m Wassertiefe. Der gesamte Seegrund ist mit einer bis zu 6,5m mächtigen Schlammschicht bedeckt.

Westlich vom Rachelsee, direkt unterhalb des Gipfels liegt ein zweites Kar, welches von den ehem. Forstdistrikten „Seehäng“ und „Felsensturz“ umschlossen wird – Der mächtigste der drei Rachelgletscher, der Alte-See-Gletscher bildete hier eine Kartreppe, welche aus drei, heute vermoorten Karbecken besteht: Das untere Karbecken (1050m), der vermoorte „Alte See“ (1090m) und das obere Kar (1250m) direkt unterhalb der steilen Karwand am „Seeblick“ beim Waldschmidthaus.
1835 wurde ein Triftkanal zw. Alter See und Rachelsee angelegt, der eine tlw. Trockenlegung des verlandeten Alten Sees nach sich zog.

Das dritte Kar des Großen Rachels befindet sich an seinem Nordhang, im ehem. Forstbezirk „Wilder Riegel“, begrenzt durch die Hänge von Großer Rachel, Kleiner Rachel und Hochruck. Dieses ebenfalls vermoorte Rachel-Nordkar ist abgelegen, sehr unzugänglich und daher weniger bekannt. Das Kargebiet, der „Kessel“, wurde früher wegen der großen hausähnlichen Felsblöcke in den Hochruckhängen auch „Stadt“ genannt.

Großer Rachel - Rachelsee (Karsee) Großer Rachel - Vermoortes, unteres Karbecken des Alten-See-Gletschers Großer Rachel - Vermoortes Rachel-Nordkar


Historischer Bergbau am Großen Rachel

In Büchern von Thorward und Müller/Grueber wird auch von Bergbau am Großen Rachel (1453m) erzählt. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts hat man hier verschiedene Metallerze gesucht und auch abgebaut, jedoch mit geringem Erfolg. Aus diesem Grunde hat man diese Aktivitäten etwa zweihundert Jahre später wieder aufgegeben. Hierzu der Buchartikel „Der Abbau von Erz- und Quarzvorkommen im Bereich des Nationalparks Bayerischer Wald“ von 1981 Login

Einige der im o.g. Buch beschriebenen Abbaustellen aus dieser Zeit sind auch heute noch zu finden. Eine Stelle befindet sich unterhalb eines der Vorgipfel des Großen Rachels (Stollenansatz): „… ein etwa 10m langer und bis zu 2,5m tiefer Graben führt in einem leichten Bogen zu einem Felsloch, hier schürften die Brüder Schweikl im Jahre 1761 nach Edelmetallerzen“.
Eine weitere, in diesem Buch beschriebene Stelle findet man am Seewand-Quersteig (Stollenmundloch): in ca. 1208 m NN, ist ein großer Felsen, in dessen Fuß eine kleine Höhle, die von menschlicher Hand angelegt oder erweitert sein könnte“.

Felsloch/Abbaustelle Abbaustelle Stollenmundloch am Quersteig


Das Zirbelkiefer-Naturdenkmal am Großen Rachel

Eines der ältesten Naturdenkmäler im Gebiet des Altlandkreises Grafenau ist der „Felsenkopf mit Zirbelkiefern“ am Großen Rachel. Auf der Kuppe dieses mächtigen Felsenkopfes stehen 12 Zirbelkiefern (Pinus Cembra). Es handelt es sich hier um eine ausgesprochene Rarität in einer Steilhanglage im Bereich des Hochfichtenwaldes am Großen Rachel.

In Bayern kommt die Zirbe nur in den Berchtesgadener Alpen (Steinenes Meer, Reiteralpe) und im Werdenfelser Land vor. Das Vorkommen im Nationalpark Bayerischer Wald dürfte auf eine versuchsweise Saat Mitte des 19. Jahrhunderts zurückzuführen sein. Auf jeden Fall stellt das Naturdenkmal im Rachelgebiet des Nationalparks Bayerischer Wald eine botanische Besonderheit dar. Hierzu ein Artikel aus der Zeitschrift „Schöner Bayerischer Wald“ – Login

Zirbelkiefern am Rachel Zirbelkiefern am Rachel Der mächtige Felsen


Die alten Steige im Urwaldgebiet zwischen Großer Rachel, Rachelsee und Felsensturz

"Früher führte der Hauptwanderweg vom Rachel nicht über die Kapelle zum See. Er zweigte in 1350m Höhe vom heutigen Weg rechts ab und ging steil in engen Serpentinen durch den Urwald hinunter zum Westufer des Sees. Die Spuren sind noch vorhanden. Aber das schönste in der Seewand ist wohl der Querweg, der sich als Verlängerung des Hochwalddistriktsteigs durch die ganze Wand bis zum Felssturz und noch weiter bis in die Rachelschachtenhäng hineinzieht. Wer diese Wege gegangen ist, der kennt die Rachelseewand und der weiß auch, daß es im Bayerischen Wald nichts Schöneres gibt"
(Zitat des Waldgehers Friedl Thorward aus seinem Buch "Auf einsamen Bergpfaden" von 1982)

Sicherungsseil Gefallene Riesen Das Felsentor am Rachel
Bis in die 70ger Jahre führte noch ein markierter Wanderweg vom Rachelgipfel (1453m), steil und in Serpentinen durch die Seewand zum Rachelsee (1070m) hinunter, in alten Wanderbüchern sind diese Wege noch zu finden. Heute ist eine Begehung dieser seit über 40 Jahren aufgelassenen Seewandsteige nicht einfach, sogar das GPS ist in diesen steilen Rachelsee- und Felsensturzhängen ungenau.

Detaillierte Wegbeschreibungen, Steigkarten und GPS-Tracks der Seewandsteige: Im Rachelseewandbereich kreuzen sich zwei alte Hauptsteige – Der schönste und wildeste ist …

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