Fürstenhut – Verlassene Dörfer, vergessene Fluren

FürstenhutGrenzüberschreitende Rundwanderung im tschechischen Nationalpark Sumava, auf den Spuren ehemaliger Siedlungen jenseits der Grenze – Buchwald (Bucina), Fürstenhut (Knizeci Plane), Scheureck (Zdarek) – 17 km.

Ausgangspunkt dieser Rundwanderung ist der Grenzübergang bei Finsterau/Buchwald. Zu erreichen ist dieser dem Nationalparkbus (Finsteraubus 6115) oder mit PKW (die Straße von Finsterau/Wistlberg zur Grenze ist bei Nationalparkbusbetrieb ab 09:00 Uhr für PKW gesperrt). Einkehrmöglichkeiten bieten das Hajenka Gasthaus in Fürstenhut und das Hotel Alpenblick in Buchwald.

Etwa 250m nach dem Grenzübergang zweigen wir rechts in einen Weg mit der Beschilderung „Knizeci Plane“ ab. Nach 500m erreichen wir den Waldrand, hier haben wir einen ersten Blick auf die parkartige Landschaft mit ihren alten Fluren und Hainen. Der alte, schmale Weg schlängelt sich nun immer leicht bergab durch das Gebiet der ehem. Mühlreuterhäuser, Gebäudereste sind hier noch zu erkennen. Nach 1,5km mündet dieser in einen breiteren Forstweg ein, dem wir nach links wieder Beschilderung „Knizeci Plane“ folgen. Es geht vorbei an Wegkreuzen und Spuren der ehem. Besiedelung, nach ca. 800m erreichen wir eine Sandstraße, die nach Buchwald führt. Hier zweigen wir rechts ab, etwa 500m weiter an der nächsten Abzweigung führt uns wieder rechts ein beschilderter Weg zum Friedhof und den Kirchenresten von Fürstenhut.

Fürstenhut - In den Jahren um 1792 siedelten sich Holzhauerfamilien im Zuge von Ortsgründungen des Fürsten Schwarzenberg auf der „Schöneben“-Hochfläche an, es entstanden die Streusiedlung Fürstenhut und die benachbarten Dörfer und Weiler Buchwald, Mühlreuterhäuser, Hüttel , Vorder- und Hinterscheureck. Im Lauf der Jahre wuchs der Ort Fürstenhut auf stattliche 83 Häuser und 500 Einwohner.
 Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde die deutschstämmige Bevölkerung vertrieben, im Jahr 1956 wurde das Dorf samt Kirche und Friedhof eingeebnet und die Fluren der Natur überlassen. Ab 1989 wurden die Wiesen wieder beweidet, nach der Grenzöffnung im Jahr 1991 wurde der tschechische Nationalpark Sumava gegründet, das Gebiet um Fürstenhut wurde Teil des Nationalparks und für Besucher wieder zugänglich.
 1992 erhielten die ehemaligen Bewohner von Fürstenhut die Erlaubnis den Friedhof von Fürstenhut zu restaurieren, der Gottesacker hat nun wieder ein würdiges Aussehen. An der Stelle, an der früher die Kirche stand, findet man heute eine Gedenktafel, ein steinernes Wappenschild des Fürstenhauses Schwarzenberg und das restaurierte Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1.Weltkrieges aus der ehem. Gemeinde Fürstenhut.
Auch für die Bewohner des auf bayerischer Seite gelegenen Finsterau war die ehem. böhmische Pfarrgemeinde Fürstenhut bedeutsam, da sie dort bis zum Bau der eigenen Kirche im Jahre 1888 den Gottesdienst besuchten (Finsterauer Kirchensteig).
"Das Heimatfest der Pfarrgemeinde Fürstenhut" - Artikel aus der Waldheimat 10/1926
Bildersuche mit Stichwort: z.B. Fürstenhut, Buchwald... - Alte Fotos


Hinter den Kirchenresten geht der Weg nach Scheureck (Beschilderung „Zdarek“) zunächst nach Osten weiter. Er führt durch hainartig lichte Feldfluren, zahlreiche Gedenksteine und Wegkreuze erinnern als letzte Zeugnisse an die verschwundenen Ortschaften. Nachdem man auf einem Brettersteig eine Moorwiese überquert hat, erreicht man direkt an der Landesgrenze eine Bachbrücke. Auf einem alten, mit Fichtenwurzeln durchwachsenen Weg, der tlw. von Steinmauern, alten Ahornbäumen, und wuchtigen Fichten begrenzt wird, wandert man leicht bergauf bis zur Scheurecker Hochebene. Man hat auf dieser Wegstrecke eine traumhafte Aussicht auf den Böhmerwald, auf das Scheurecker Filz, auf die wunderbaren alten Fluren und man findet immer wieder Reste der früheren Besiedelung. Auf der Hochebene von Scheureck erreicht man schließlich an einer Wegkreuzung einen Wandererunterstand mit Brotzeitbänken und einer Infotafel zur ehem. Ortschaft Scheureck.

Scheureck - Im Jahr 1775 wurde hier die ersten sechs Häuser gebaut. Das Dorf erstreckte sich später über 3,5km und bestand aus Vorder- und Hinterscheureck. Es wurden unterschiedliche Dialekte gesprochen, denn die Vorderscheurecker Siedler stammten aus dem österreichischen Böhmerwald, die Hinterscheurecker kamen vor allem aus dem Bistum Passau. Im Dorf lebten ca. 180 Menschen, diese arbeiteten großteils in den fürstlichen Wäldern. 

Hier ist der Wendepunkt dieser beeindruckenden Wandertour, man hat den schönsten Teil hinter sich und für den Rückweg bieten sich nun drei, etwa gleichlange Varianten an:

●  Auf dem gleichen Weg wieder zurück, evtl. Einkehr beim Hajenka Gasthaus. Man wandert hier im Gegensatz zu den anderen Varianten keine längeren Strecken auf Asphalt- und Forststraßen.
●  Auf einer schmalen Asphaltstaße weiter zur Scheurecker Schwelle und von da auf Asphalt zurück nach Buchwald/Grenze wandern (rote Pfeile in den Karten). Hier kommt man am Hajenka Gasthaus vorbei, dem ehemaligen Heger- bzw. Forsthaus von Fürstenhut.
●  Hier beschreibe ich die 3. Variante, über die Grenze auf die deutsche Seite und dann großteils auf Forststraßen über Hammerklause und Teufelsbachklause zur Grenze Buchwald.

An der Kreuzung beim Unterstand rechts die schmale Straße Ri. Josefsthal etwa 500m abwärts gehen. Kurz nach einem Steinmarterl kommt man an eine beschilderte Abzweigung, hier rechts abzweigen und der Markierung weiß-gelb-weiß folgen. Nach kurzer Wegstrecke erreicht man eine große Waldwiese mit schönem Blick nach Mitterfirmiansreut. Diese Wiese geradeaus überqueren und dann einem Waldweg noch 300m bis zur Grenze folgen. Jetzt wechselt der Weg auf den Grenzsteig, nach 200m geht es wieder der Markierung folgend rechts einen Waldweg bergab, man gelangt zu einer Forststraße die man überquert. An der nächsten Forststraße der Beschilderung „Finsterau“ nach rechts folgen.

Nach 3km erreicht man, immer der Beschilderung „Finsterau“ folgend die Hammerklause und nach weiteren 3km, diesmal mit der Beschilderung „Teufelsbachklause/Buchwald“ kommt man zur Teufelsklause. Ab hier geht es dann kurz noch etwas steiler bergauf, bis man die Grenze bei Buchwald (NP-Bushaltestelle Teufelshäng/Grenze ) erreicht.

Tourenkarte 1  Ältere Karte, ehemalige Gebäude sind noch eingezeichnet
Tourenkarte 2
GPS-Track (gpx)
Fahrpläne Nationalparkbus