Ehemalige Waldhütten – Reste vergangener Zeiten

Weitere Hütten - Verschwundene OrteSpuren und Reste von weiteren, früheren Hüttenstandorten (keine Forsthütten) im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet der Nationalparks Bayerischer Wald und Sumava.

Der Umfang des Beitrages über die ehem. Forsthütten wurde mittlerweile zu groß, deshalb werden in diesem gesonderten Beitrag alle weiteren bekannten, früheren Waldhütten und Hüttenstandorte beschrieben.


Die alte Schutzhütte am Lusen – Lusenhütte.
Die erste Schutzhütte am Lusen, eine kleine Unterstandshütte, war der „Vorgänger“ des heutigen Lusenschutzhauses. Die hölzerne Lusenhütte wurde im 19. Jahrhundert errichtet, brannte jedoch nach dem Ersten Weltkrieg ab.
Die Sektion Grafenau des Bayerischen-Wald-Vereins erbaute in den Jahren 1936-1937 das heutige Lusenschutzhaus. Trotz freiwilliger Eigenleistungen betrugen die Kosten damals stolze 25.000 Reichsmark.

Da man zu Beginn des 20. Jahrhundert anscheinend die Höhe ü. NN nicht exakt bestimmen konnte, ist die Höhe des 1373m hohen Lusen in den folgenen Bildern einmal mit 1377m und im Kartenauschnitt mit 1370m angegeben. Verwirrende, unterschiedliche Höhenangaben sind aus anderen Gründen aber auch in der heutigen Zeit noch zu finden (siehe Beitrag zum Plattenhausenriegel)!

Die ehem. Weidehütte am Großen Spitzberg – „Spitzbergalm“.
Im erweiterten Bereich des Großen Spitzberges befinden sich Reste (Steinfundament) einer alten Hütte, vermutlich eine frühere Weidehütte (Hiata-Hütte), diese ist umgeben von einer 40m x 40m langen Steinmauer, die Mauer ist etwa 1m hoch und 50cm breit. Das Fundament der Hütte ist ca. 10m x 5m groß und befindet sich auf der Ostseite des Areals. Innerhalb des von der Steinmauer umgebenen Bereiches sind noch mehrere ca. 35m lange (20+15) und etwa 1,2m breite Pflanzbeete erkennbar, diese werden durch einen schmalen Zugangsweg getrennt.

Vermutlich wurde in dieser Hochlage früher Weidevieh gehütet, der Waldhirte lebte hier in den Sommermonaten und pflanzte auch Gemüse (evtl. Kraut, Kartoffeln …) an. Um die Pflanzbeete vor dem Weidevieh zu schützen wurde die Steinmauer errichtet.

Zustieg und Karte (reg. Nutzer) im Beitrag „Bayerwaldpfade 2018“


Die historische Glashütte am Lusen – „Eizeihnt Hüttn“.
In den Sagwasserhängen existierte zu Beginn des 17. Jhd. eine Glashütte, die sog. „Eizeihnt Hüttn“ (eingezäunte Hütte) oder „Lusenhütte“, diese war ein Ableger der Kaiser-Glashütte von Schönau. Die von Thomas Kaiser 1607 am Lusen errichtete Glashütte wurde nur kurz, kaum drei Jahre lang, betrieben. Sie wurde „durch Unfleiß“ schlecht erhalten und dann vom Schnee eingedrückt.

Drei Jahre lang, von 1983 bis 1985 fanden hier Ausgrabungen statt, diese Grabungen lieferten wertvolle Aufschlüsse über die Anlage, die technische Einrichtung, den Betrieb und das Produktionsspektrum dieser alten Waldglashütte. Neben den Resten des alten Glasofens fand man auch Scherben von grünem Waldglas, Scherben von Glasgefäßen, von Butzenscheiben und sog. Scherzgefäßen, das waren hohl aufgeblasene Glastiere z.B. Bären, aus denen man früher Brandtwein trank.
Die Grabungsstelle wurde abschließend „versiegelt“, d.h. nach ausgiebiger Dokumentation wurde die Stelle mit weißem Quarzsand zugefüllt und mit Humus abgedeckt.

Der Standort der „Eizeihnt Hüttn“ war am Heilstein, im Quellgebiet der Haarauer Seige zwischen Böhmstraße und dem Sagwasser. Man findet an dieser Stelle auf einer Fläche von ca. 20×20 Metern noch Grabungsreste in Form von mehreren, tlw. aufgeschichteten Steinhaufen.
Heute ist diese Grabungsstelle ein Bodendenkmal – Denkmalnummer: D-2-7046-0002, Denkmalbeschreibung: Untertägige Befunde der frühen Neuzeit im Bereich der Glashütte „Lusenhütte“.

Ein Artikel über diese hist. Glashütte: Die Geschichte der Glashütte am Lusen (PDF, Seite 39-41)


Das böhmische Rachelhaus, Rachelhüttte – Roklanská chata.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde nordöstlich des Großen Rachels, auf der böhmischen Seite, die Rachelschwelle zum Zwecke der Holztrift errichtet. Der Rachelbach wurde hier mit einem 45m langen Erddamm zu einem 4m tiefen See aufgestaut. Neben der Rachelschwelle wurde 1804 die Rachelhütte von den Fürsten zu Schwarzenberg erbaut, sie war das höchstgelegenste Gebäude im Böhmerwald (1180m).
Die Rachelhütte (Roklanská hájenka) wurde zunächst vom Teichwächter bewohnt, im Jahre 1869 zog der Revierförster Josef Trampus und seine Familie in das Forsthaus ein.

Um die Jahrhundertwende gab es einen großen Aufschwung im Tourismus. Die Einschicht Rachelhütte war auch Hauptausgangspunkt für den Aufstieg von böhmischer Seite auf den Großen Rachel und so wurde im Jahr 1936 zur Entlastung des mit Touristen mehr und mehr überfüllten Forsthauses eine Touristenhütte erbaut, die Herberge Roklanská chata (Rachelhaus).

Nach dem 2. Weltkrieg, im Kalten Krieg, gehörte die Gegend um die Rachelhütte zum Sperrgebiet, es wurden hier zusätzliche Baracken errichtet und Grenzsoldaten stationiert. Nachdem einer der Grenzsoldaten in der Rachelschwelle ertrunken ist, wurde der Staudamm gesprengt. Die alte Rachelhütte (altes Forsthaus, Roklanská hájenka) wurde aufgegeben und abgerissen.

Heute existieren noch die ehem. Touristenütte Roklanská chata (Rachelhaus), diese ist jedoch in einem schlechten Zustand und der gesprengte, ehemalige Staudamm der Rachelschwelle. Auch die Grundmauern der Unterkunftsbaracken für die damals tschechoslowakischen Grenzsoldaten sind noch zu erkennen.

Video – Stationierte Grenzsoldaten am Rachelhaus (Winter 1956): Login
Weitere Fotos hierzu sind im Beitrag „Das böhmische Rachelhaus und das Bärnsteindl“ zu finden.


Die Militärbaracken am Tummelplatz – Cholerabaracken.
Während der großen Choleraepidemie im Jahre 1831, als die Cholera vom Osten nach Deutschland übergriff, wurde der Verkehr von Menschen, Tieren und Waren über die Grenze von, bzw. nach Böhmen und Österreich verboten. Zur Überwachung der Reisenden wurde damals auch das Militär eingesetzt. So befand sich u.a. auch am alten Weg von Finsterau nach Waldhäuser, in der Nähe des Tummelplatzes eine Kontrollstelle, nur wer aus einer Gegend kam in der die Cholera nicht wütete durfte passieren. Zur Unterbringung der Soldaten wurden damals nördlich vom Tummelplatz, im Bereich Hinterer Stimmelbach/Hochgfeichtet Baracken aufgestellt (Quellen: Buch „Auf der Mautbey der Finster´Au“).

Hinweise dazu findet man noch in alten Karten – Der Weg vom Reschbachtal, den Hinteren Stimmel-Bach entlang, hinauf zum Hochwaldsteig/Tummelplatz hieß früher Barackenweg (Karte 1920), ebenso heißt ein Hangstück zum Reschbachtal in einer Karte von 1950 noch „Barackenschlag“.


GPS-Daten dieser Hütten (Login)