Die alten, ehemaligen Forsthütten – Spurensuche

In diesem Beitrag wird das „Schicksal“ der alten, ehemaligen Forst- bzw. Diensthütten im Kerngebiet des heutigen Nationalparks Bayerischer Wald beschrieben. Die meisten der hier aufgelisteten Waldhütten wurden nach der Nationalparkgründung, im Zuge der damaligen Renaturierungsaktionen zerstört oder abgebaut, vermutlich auch um die damals beliebten Wanderziele im „neu geschaffenen“ Kerngebiet zu reduzieren.


Die Forstschneise von der Fredenbrücke zum Plattenhausenriegel (Plattenhausenlinie) trennte die zwei ehem. Forstamtsbezirke Spiegelau und St. Oswald mit den jeweils zugehörigen Forsthütten, der steinernen „Oswalder Plattenhausenhütte“ östlich der Plattenhausenlinie und der hölzernen „Spiegelauer Plattenhausenhütte“ westlich davon.

Die Oswalder Plattenhausenhütte
Die aus Steinen gemauerte Oswalder Plattenhausenhütte stand am oberen, östlichen Rand des Plattenhausenschachten, auf dieser Waldlichtung ist heute eine NP-Meßeinrichtung installiert. Die Forsthütte wurde nach NP-Gründung mit einem Bagger abgerissen und samt Inventar vergraben. Von der einst stattlichen Hütte ist außer einigen größeren Steinen und etwas Unrat nichts mehr zu sehen (N48.95549° E13.45163°).


Die Spiegelauer Plattenhausenhütte
Etwa 350m westlich der o.g. Waldlichtung kann man noch die Grundmauern einer weiteren Hütte finden, die der Spiegelauer Plattenhausenhütte, diese Hütte wurde damals abgebaut und steht heute als Privatbesitz in Waldhäuser (N48.95609° E13.44705°).


Die Hirschensteighütte am Hochwalddistriktsteig
Die Hirschensteighütte steht heute noch, der Standpunkt ist am Hochwalddistriktsteig, etwa unterhalb des Großen Spitzberges. Auf der Hüttennordseite ist das Dach eingedrückt, es ist nur eine Frage der Zeit bis diese Hütte zusammenbricht. Die Hirschensteighütte wurde früher einmal verlegt, der alte Standpunkt war etwa 300m südöstlich, hier findet man heute noch eine alte, größere Grundmauer (N48.95007° E13.46519°).


Die Ludwigsburg am Waldhäuserriegel
Reste der hölzernen Forsthütte „Ludwigsburg“ findet man in der Nähe des Waldhäuserriegels (früh. Eschenberg). Hier sind u.a. noch die Grundmauern, und der umgefallene Kamin zu sehen. Diese Forsthütte wurde nach der Nationalparkgründung abgebaut und ist heute in Privatbesitz (N48.92401° E13.48181°).


Das „Greahüttl“ – Grüne Hütte am Tieffilz
Das „Greahüttl“ war eine kleinere hölzerne Holzhauerhütte, sie stand am Tieffilz. Diese Hütte wurde im Zuge der damaligen Renaturierungsaktionen angezündet und verbrannt. Die Hütte ist in keiner Karte verzeichnet, es sind auch keine sichtbaren Reste mehr vorhanden. In der historischen Karte ist am Tieffilz, welches damals noch als Kleines Filz bezeichnet wurde, eine „Nigelhütte“ eingezeichnet. Vermutlich stand diese Nigelhütte, die auch eine der früheren Glashütten gewesen sein könnte, schon lange vor dem „Greahüttl“ am Tiefilz,  (N48.93172° E13.52243°).


Die steinerne Mittagsplatzhütte
Zwischen Waldhausreibe und Sagwasser stand früher die Mittagsplatzhütte, eine aus Steinen gemauerte Forsthütte. Dieser schönen Hütte ereilte das gleiche Schicksal wie das der Oswalder Plattenhausenhütte, sie wurde mit dem Bagger abgerissen und vergraben (N48.92887° E13.50608°).


Die Hirschkopfhütte am Grafensteig
Der Standort der etwas größeren Hirschkopfhütte war auf einer kleinen Waldlichtung am Grafensteig im oberen Reschbachtal. Hier findet man heute noch einen alten, hölzernen Brunnen. Die zweistöckige Hirschkopfhütte wurde 1907 erbaut, darauf weist der Schriftzug „Johann Degenhart Mauth 1907″ hin. Johann Degenhart war der Haumeister, der sich als Erbauer an der Blockwand verewigt hat. In den Jahren 1995/96 wurde die Hütte ins Freilichtmuseum Finsterau versetzt (N48.93376° E13.53878°).


Die Diensthütte am Buchenberger Stand
Am Buchenberger Stand, südöstlich des Farrenberges, ist in den älteren Karten auch eine Diensthütte eingetragen, hier handelte es sich um eine kleine, hölzerne, mit Schindeln bedeckte Hütte. Diese wurde wie andere auch, nach NP-Gründung abgebaut und steht nun als Privatbesitz in Waidhütte/Neuschönau (N48.95515° E13.55001°).


Die Gfällhütte unterm Großen Rachel
Die Diensthütte am Gfäll wurde 2012 mit Erlaubnis des NP privat abgebaut und originalgetreu wieder aufgebaut, wobei das Interior teilweise modernisiert wurde. Die Hütte ist jetzt in Privatbesitz und steht in Oberkreuzberg (N48.96282° E13.37124°).


Die Stiegenhütte am Seebach
Die Stiegenhütte oder „Stianghüttn“, war eine der etwas größeren Diensthütten, diese stand etwa 1,3km westlich der Racheldiensthütte, am Zusammenfluss von Seebach und Rachelschachtenbach. Über die Verlängerung der heutigen Racheldiensthüttenstraße erreichte man diese Diensthütte bzw. heute den ehem. Standort. Die Stiegenhütte wurde am 27.9.1992 ein Raub der Flammen, verm. Brandstiftung!! Heute ist auf der kleinen Lichtung außer einigen Ziegelresten nichts mehr von dieser Forsthütte zu sehen (N48.95982° E13.40923°).


Die Hütte am Steinfleckberg
Zum Ende dieses Beitrages noch eine bestehende Hütte, die schön gelegene Steinfleckhütte, welche den Hüttenrückbau in den Anfangsjahren des Nationalparks Bayerischer Wald „überlebt“ hat. Die Steinfleckhütte am Blockfeld des Steinfleckberges wurde 1945 erbaut und in den Folgejahren als Jagdhütte genutzt. Das Dach der Hütte wurde 08/2017 durch den Nationalpark neu eingedeckt (N48.95068° E13.52209°).



Vielen Dank an Kurt Madl, Ernst Strohmeier und „Waldläufer401“ für die alten Fotos!