Die alten, ehemaligen Forsthütten – Spurensuche

Übersichtskarte aller Hütten

In diesem Beitrag wird das „Schicksal“ der alten, ehemaligen Waldhütten (Jagd-, Forst- und Diensthütten) im Kerngebiet des heutigen Nationalparks Bayerischer Wald beschrieben.

Von den hier beschriebenen, ehemaligen Diensthütten wurden in den Jahren nach Gründung des Nationalparks, im Zuge damaliger Renaturierungsaktionen 13 Hütten zerstört oder abgebaut, vermutlich auch um die damals beliebten Wanderziele der einheimischen Bevölkerung im „neu geschaffenen“ NP-Kerngebiet zu reduzieren. Nur die Steinfleckhütte wird noch erhalten, eine weitere, etwas unzugängliche Hütte steht noch, verfällt jedoch zunehmend – Übersichtskarte.


Die zwei Forsthütten unter´m Plattenhausenriegel
Die Forstschneise von der Fredenbrücke zum Plattenhausenriegel (Plattenhausenlinie) trennte die zwei ehem. Forstamtsbezirke Spiegelau und St. Oswald mit den jeweils zugehörigen Forsthütten, der steinernen „Oswalder Plattenhausenhütte“ östlich der Plattenhausenlinie und der hölzernen „Spiegelauer Plattenhausenhütte“ westlich davon.

Die Oswalder Plattenhausenhütte
Die aus Steinen gemauerte Oswalder Plattenhausenhütte stand am oberen, östlichen Rand des Plattenhausenschachten, auf dieser Waldlichtung ist heute eine NP-Meßeinrichtung installiert. Die Forsthütte wurde nach NP-Gründung mit einem Bagger abgerissen und samt Inventar vergraben. Von der einst stattlichen Hütte ist außer einigen größeren Steinen und Müllresten nichts mehr zu sehen.

Die Spiegelauer Plattenhausenhütte
Etwa 350m westlich der o.g. Waldlichtung kann man noch die Grundmauern einer weiteren Hütte finden, die der Spiegelauer Plattenhausenhütte, diese Hütte wurde damals abgebaut und steht heute als Privatbesitz in Waldhäuser.


Die Hirschensteighütte am Hochwalddistriktsteig
Die Hirschensteighütte steht heute noch, der Standpunkt ist am Hochwalddistriktsteig. An der Hüttennordseite hat das Schindeldach schon starke Schäden, im Innenraum stand ein alter Holzofen, dieser wurde 08/2017 mit einem Hubschrauber, den der NP in dieser Zeit für Renaturierungsprojekte nutzte ins Tal geflogen. Die Hirschensteighütte wurde verm. früher einmal verlegt, der alte Standpunkt war etwa 300m südöstlich, hier findet man heute noch eine alte Grundmauer .


Die Ludwigsburg am Waldhäuserriegel
Reste der hölzernen Forsthütte „Ludwigsburg“ findet man in der Nähe des Waldhäuserriegels (früh. Eschenberg). Hier sind u.a. noch die Grundmauern, der umgefallene Kamin und der Brunnen zu sehen. Diese Forsthütte wurde nach der Nationalparkgründung abgebaut, ist heute in Privatbesitz und steht jetzt in Höhenbrunn.


Das „Greahüttl“ – Grüne Hütte am Tieffilz
Das „Greahüttl“ war eine kleinere hölzerne Holzhauerhütte, sie stand am Tieffilz. Diese Hütte wurde 1988 im Zuge der damaligen „Renaturierungsaktionen“ angezündet und abgebrannt. Die kleine Hütte ist in keiner Karte verzeichnet und es sind kaum noch Spuren vorhanden. In der historischen Karte ist am Tieffilz, welches damals noch als Kleines Filz bezeichnet wurde, eine „Nigelhütte“ eingezeichnet. Vermutlich stand diese Nigelhütte, die auch eine der früheren Glashütten gewesen sein könnte, schon lange vor dem „Greahüttl“ am Tiefilz.


Die steinerne Mittagsplatzhütte
Südöstlich vom Lusen, am Mittagsplatzweg zwischen Waldhausreibe und Sagwasser, stand früher die Mittagsplatzhütte, eine aus Steinen gemauerte Forsthütte. Dieser schönen Hütte ereilte das gleiche Schicksal wie das der Oswalder Plattenhausenhütte, sie wurde mit dem Bagger abgerissen und vergraben. Auf der ehem. Grundrißfläche findet man heute dichten Jungfichtenbewuchs vor.


Die Hirschkopfhütte am Grafensteig
Der Standort der etwas größeren Hirschkopfhütte war auf einer kleinen Waldlichtung am Grafensteig im oberen Reschbachtal. Hier findet man heute noch einen alten, hölzernen Brunnen. Die zweistöckige Hirschkopfhütte wurde 1907 erbaut, darauf weist der Schriftzug „Johann Degenhart Mauth 1907″ hin. Johann Degenhart war der Haumeister, der sich als Erbauer an der Blockwand verewigt hat. In den Jahren 1995/96 wurde die Hütte ins Freilichtmuseum Finsterau versetzt.


Die Diensthütte am Buchenberger Stand
Am Buchenberger Stand, südöstlich des Farrenberges, ist in den älteren Karten auch eine Diensthütte eingetragen, hier handelte es sich um eine kleine, hölzerne, mit Schindeln bedeckte Hütte. Diese wurde wie andere auch, nach NP-Gründung abgebaut und steht nun als Privatbesitz in Waidhütte/Neuschönau.


Die Gfällhütte unterm Großen Rachel
Die Diensthütte am Gfäll wurde 2012 mit Erlaubnis des NP privat abgebaut und originalgetreu wieder aufgebaut, wobei das Interior teilweise modernisiert wurde. Die Hütte ist jetzt in Privatbesitz und steht in Oberkreuzberg.


Die Stiegenhütte am Seebach
Die Stiegenhütte oder „Stianghüttn“, war eine der etwas größeren, häufig auch privat genutzten Diensthütten, diese stand etwa 1,3km westlich der Racheldiensthütte, am Zusammenfluss von Seebach und Rachelschachtenbach. Über die Verlängerung der heutigen Racheldiensthüttenstraße erreichte man diese Diensthütte bzw. heute den ehem. Standort. Die Stiegenhütte wurde am 27.9.1992 ein Raub der Flammen, verm. Brandstiftung! Heute ist auf der kleinen Lichtung außer einigen Ziegelresten nichts mehr von dieser Forsthütte zu sehen.


Der Roßstall unterhalb des Rachelsees
Der Roßstall an der Brücke beim Seebach wurde abgerissen. Am ehemaligen Standort, einer kleinen Lichtung unterhalb des Rachelsees steht heute ein NP-WC für Wanderer.


Weitere ehemalige Diensthütten im Rachelgebiet – Hochseign-Diensthütte, Diensthütte in der Hohen Wand und die Grübenbruckhütte
Drei ehemalige, noch undokumentierte Diensthütten im Rachelgebiet – Die Hochseign-Diensthütte südöstlich des Rachelsees, die Diensthütte in der Hohen Wand südwestlich des Großen Rachels und die Grübenbruckhütte, westlich der Racheldiensthütte. Infos folgen, alte Fotos werden noch gesucht!


Die Hütte am Steinfleckberg
Zum Ende dieses Beitrages noch eine bestehende Hütte, die schön gelegene Steinfleckhütte, welche den Hüttenrückbau in den Anfangsjahren des Nationalparks Bayerischer Wald „überlebt“ hat. Die Steinfleckhütte am Blockfeld des Steinfleckberges ist verm. zur Zeit des 2. Weltkrieges abgebrannt, wurde 1945 wieder neu erbaut und in den Folgejahren als Jagdhütte genutzt. Das Dach der Hütte wurde 08/2017 durch den Nationalpark neu eingedeckt.


Keine Forsthütte, aber auch interessant – Die historische Glashütte am Lusen, die sog. „Eizeihnt Hüttn“
In den Sagwasserhängen existierte zu Beginn des 17. Jhd. eine Glashütte, die sog. „Eizeihnt Hüttn“ (eingezäunte Hütte), diese war ein Ableger der Kaiser-Glashütte von Schönau. Die von Thomas Kaiser 1607 am Lusen errichtete Glashütte wurde nur kurz, kaum drei Jahre lang, betrieben. Sie wurde „durch Unfleiß“ schlecht erhalten und dann vom Schnee eingedrückt.
Im Jahre 1985 fanden hier Ausgrabungen statt, anschließend wurde die Stelle „versiegelt“, d.h. nach ausgiebiger Dokumentation wurde die Grabungsstelle mit weißem Quarzsand zugefüllt und mit Humus abgedeckt.
Der Standort der „Eizeihnt Hüttn“ war am Heilstein, im Quellgebiet der Haarauer Seige zwischen Böhmstraße und dem Sagwasser. Man findet an dieser Stelle auf einer Fläche von ca. 20×20 Metern noch mehrere, tlw. aufgeschichtete Steinhaufen.
Die Geschichte der Glashütte am Lusen (PDF, Seite 39-41)


GPS-Daten aller Hütten (Login)

Vielen Dank an Kurt Madl, Ernst Strohmeier und „Waldläufer401“ für die alten Fotos und die Informationen zu den Hütten!