Alpenüberquerung auf dem E5 – Von Oberstdorf nach Meran

Alpenüberquerung E5

Alpenüberquerung auf dem Fernwanderweg E5 von Oberstdorf nach Meran (8-9 Tage mit An- und Heimreise, ca. 130 Km und 7000 Höhenmeter zu Fuß)

Es war eine spontane Idee – zu Fuß über die Alpen, mit Informationen aus Literatur und Internet entstand dazu schnell eine grobe Planung:
Mit der Bahn v. Passau nach Oberstdorf, danach Aufstieg zur Kemptner Hütte. Am 2. Tag vom Allgäuer Hauptkamm zum Lechtaler Hauptkamm (Memminger Hütte). Am 3. Tag über die Seescharte nach Zams im Inntal. Am 4. Tag über den Venet Panoramaweg und Wenns im Pitztal zur Braunschweiger Hütte am Alpenhauptkamm. Am 5. Tag weiter übers Rettenbachjoch, den Gletscherpanoramaweg entlang ins Bergsteigerdorf Vent und Aufstieg zur Martin-Busch Hütte. Am 6. Tag weiter zur Similaunhütte, übers Niederjoch (Nähe Ötzi-Fundstelle!) ins Südtiroler Schnalstal und am 7. und 8. Tag über den Meraner Höhenweg nach Meran. Mit der Bahn wieder zurück nach Passau.

Karte (jpg)
GPS-Track (gpx)
Literatur: Rother Wanderführer – Fernwanderweg E5


Tag 1 – Zur Kemptner Hütte

Nachdem wir den Start unserer Tour wegen des schlechten Wetters mit Neuschnee in den Alpen um einige Tage verschoben haben, sind wir am Montag, den 01.07.2013 vom Bahnhof Passau mit Ziel Oberstdorf gestartet.
Eigentlich wollten wir an diesem Tag noch bis zur Kemptner Hütte, da uns aber gesagt wurde das Schulklassen auf der Hütte sind, haben wir am Montag noch herunten in der Jugendherberge in Spielmansau bei Oberstdorf übernachtet und sind erst am Dienstag losgewandert.
Nach einer Mittagspause auf der Kemptner Hütte sind wir weiter in Ri. Österreich, zuerst übers Mädelejoch, dann zur bewirtschafteten Roßgumpenalpe und vorbei am Simms-Wasserfall nach Holzgau im Lechtal, wo wir in einer Pension übernachten. (13 Km, 1100 Hm)


Tag 2 – Auf die Memminger Hütte

Heute wanderten wir durchs Lechtal nach Bach und dann das landschaftlich sehr schöne Madautal hoch zur Memminger Hütte in den Lechtaler Alpen (2242 ü. NN) – unser Tagesziel und die erste Hüttenübernachtung auf der Tour. Ab Mittag wurde das Wetter schlechter und es fing bei der Materialseilbahn leicht zu Regnen an, aber auf der Hütte kam schon wieder die Sonne raus.
Von Holzgau bis zur Materialseilbahn der Memminger Hütte verkehrt auch regelmäßig ein Wandertaxi, dieses wird von E5 Wanderern gerne genutzt um sich den 15 km langen Teilabschnitt auf Asphalt- und Schotterstraßen durchs Lech- bzw. Madautal zu ersparen. Wir haben uns das Wandertaxi erspart. (18 Km, 1100 Hm)


Tag 3 – Heute ins Inntal

Nach dem Frühstück sind wir um 6:30 Uhr von der Memminger Hütte losgewandert, der Pfad führt gleich hinauf auf die 2600m hohe Seescharte. Der Anstieg zur Scharte geht steil hoch über Geröllfelder, die noch mit bis zu einem halben Meter Schnee bedeckt waren. Danach sind wir 1900 Höhenmeter, den legendären Abstieg übers Zamser Loch, ins Inntal abgestiegen. Der lange und steile Abstieg fordert, mehrere Mitwanderer haben in Zams die Tour wg. Fuß- bzw. Knieproblemen abgebrochen.
In Zams haben uns ein Zimmer genommen, wir wollen wieder mal Ruhe und richtig Duschen nach dem langen Abstieg und dem letzten Hüttenabend auf der Memminger Hütte. Morgen geht´s über Venet-Panoramaweg ins Pitztal und zum Übernachten zur Braunschweiger Hütte auf dem Alpenhauptkamm. (14 Km, 350 Hm)


Tag 4 – Zum Alpenhauptkamm

Am 4. Tag unserer Alpenüberquerung fuhren wir zuerst von Zams mit der Venet-Bergbahn auf den Krahberg, hier ging es auf dem Venet-Panoramaweg weiter über die Galfun- und die Larcher-Alpe bis nach Wenns im Pitztal.
Durchs Pitztal von Wenns nach Mittelberg führt nur eine Bundesstraße, deshalb benutzten wir für diese Stecke den Postbus. Ab Mittelberg führt der E5-Wanderweg wieder weiter, es geht noch mal über 1000Hm hoch, am Pitztaler Gletscher vorbei zur Braunschweiger Hütte auf 2758 m ü. NN, unserem heutigen Tagesziel. (22 Km, 1400 Hm)


Tag 5 – Am Alpenhauptkamm

Am Morgen sind wir um 6:30 Uhr wieder los und bei sehr angenehmen Temperaturen übers 3000m hohe Rettenbachjoch geklettert. Am Ski-Zentrum Sölden/Rettenbachferner zweigt sich der Fernwanderweg E5 – einmal südöstlich übers Timmelsjoch und Passeiertal nach Meran, wir gehen jedoch die südwestliche Variante über den Panoramaweg ins Bergsteigerdorf Vent, dann über den Similaunpass (Niederjoch) und durchs Schnalstal nach Meran.
Auf dem Panoramaweg erreichen wir zunächst das Bergsteigerdorf Vent im Ötztal, nach einer kleinen Stärkung führt uns ein Weg 7km durch ein langgezogenes Tal hinauf zur Martin-Busch Hütte auf 2501m. Das Berghaus war restlos überfüllt, wir erhielten glücklicherweise noch die letzten Bettenlager, danach gab es nur noch Notlager in der Gaststube. Morgen geht´s nochmal auf 3000m zum Similaunpass hoch dann sind wir in Südtirol. (22 Km, 1200 Hm)


Tag 6 – In Südtirol

Heute war strahlend blauer Himmel, der schönste Tag der Tour. Wir sind um 06.30 Uhr aufgebrochen und sind tlw. noch über Schneefelder hoch zur Similaunhütte am Niederjoch. Nach einer kleinen Stärkung auf der Hütte wanderten wir weiter, steil bergab übers Tiesental zum Vernagtstausee im Südtiroler Schnalstal.
Unten am Stausee endet für viele E5-Wanderer die Tour, sie fahren mit dem Bus nach Meran. Wir wollen Meran zu Fuß erreichen und sind heute noch durchs Südtiroler Schnalstal nach Katharinaberg gewandert wo wir übernachten. (20 Km, 900 Hm)


Tag 7 – Meraner Höhenweg

Am letzten Tag unserer Alpenüberquerung wanderten wir auf dem Meraner Höhenweg bis nach Giggelberg, immer bergauf und ab, auf alten Steigen und an alten Südtiroler Höfen vorbei, hoch über dem Vinschgau. Es waren am Ende doch wieder über 800 Höhenmeter.
Von Giggelberg fuhren wir mit der Panoramaseilbahn „Texelbahn“ 1000 Höhenmeter knieschonend hinunter nach Partschins einem Vorort von Meran. Wir übernachten hier in Partschins, dem Endpunkt unserer Alpenüberquerung. (15 Km, 850 Hm)


Tag 8 – Heimreise – Fazit

Die Heimreise erfolgte mit der Bahn von Meran über Bozen nach München und dann mit dem Regionalzug nach Passau.
Bahnticket (2013) Meran-Bozen-München 68.- EUR p. P., München-Passau mit Bayernticket.

Fazit der Alpenüberquerung
Eine Woche lang quer durch die Alpen – eine Traumtour, viele Eindrücke, viele nette Menschen und Mitwanderer die wir auf der Tour kennenlernten. Wir hatten mit dem Wetter Glück, es hat nur beim Aufstieg zur Memminger Hütte etwas geregnet, sonst war immer schönes und warmes Bergwetter.
Die Berghütten waren zwar alle ziemlich voll aber die Gastronomie, das Hüttenpersonal und die Organisation auf den bis zu 2700m hoch gelegenen Hütten war super. Zwischendurch haben wir in den Tälern in Pensionen und Hotels übernachtet, auch um mal richtig zu Duschen und einiges an Wäsche zu waschen, da ja der Rucksack nur minimalistisch gepackt war.
Wir haben nicht reserviert bzw. gebucht, die Schlafplätze auf den Hütten waren immer knapp, obwohl wir unter der Woche am Dienstag los gingen um den geführten E5-Gruppen die meist Freitag bis Montag starten aus dem Weg zu gehen.
Da durchs Pitztal nur eine Bundesstaße führt, sind wir am 4. Tag die 25 km von Wenns nach Mittelberg mit dem Postbus gefahren.
Für unsere Wanderung von Oberstdorf bis nach Meran haben wir 7 Tage gebraucht (+2 Tage An-und Heimreise), dabei legten wir etwa 130 Km und ca. 7000 Höhenmeter zu Fuß zurück.

Empfehlenswert wäre eine vorherige Reservierung auf den jeweiligen Berghütten, da alle von uns besuchten Hütten bis an die Kapazitätsgrenze belegt waren. Ebenso zu empfehlen ist eine Mitgliedschaft beim Deutschen Alpenverein (u.a. Versicherung im Notfall/Bergung, Vergünstigung auf den Berghütten).

Rucksack:
Das Gewicht unserer beiden Rucksäcke war ohne Getränke 7 bzw. 8 kg. Wir haben sie nach Packlisten des Rother Wanderbuchs und Packlisten aus dem Internet für den E5 gepackt. Am ersten Tag kommt einem der Rucksack noch schwer vor, die weiteren Tage spürt man ihn immer weniger und spätestens in Meran glaubt man es fehlt was, wenn er nicht mehr auf dem Rücken ist!

Update 2018:
Der Fernwanderweg E5 Oberstdorf-Meran ist mittlerweile ziemlich „überlaufen“, u.a. auch wegen der Zunahme von geführten Gruppentouren. Die Hütten sind meist schon von den organisierten Touren belegt und man bekommt tlw. nur noch Notlager.
Im Jahr 2016 hatte die Memminger Hütte ca. 12600 Übernachtungen, 2004 waren es noch etwa 5200 Übernachtungsgäste. Seit 2014 steht an der Memminger Hütte auch ein großes Zelt mit Biertischgarnituren, das als Gastraumerweiterung und dauerprov. Matratzenlager dient. Bei einer weiteren Hütte weisen Hinweisschilder schon vor dem Aufstieg darauf hin, das die Berghütte überfüllt sei und man besser im Tal übernachten sollte.

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GPS-Track (gpx)
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iteratur: Rother Wanderführer – Fernwanderweg E5

s.a. Alpenüberquerung auf dem E10 – Vom Königssee zum Millstätter See